Auszeichnung für Gymnasium Wiesentheid: Bei dem im Rahmen der Stadtleseaktion „Würzburg liest ein Buch“ veranstalteten Schulwettbewerb konnte das Gymnasium Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid einen hervorragenden zweiten Platz  belegen.

(Christian Schuchardt, Hilmar Kirch, Rebecca Möhringer, Dr. Josef Schuster)

 

„Nicht von jetzt, nicht von hier“, so lautet der Titel des autobiografischen Romans von Jehuda Amichai, eines israelischen Autors, der vor allem als Lyriker weltweite Anerkennung besitzt.  Er wurde 1924 als Ludwig Pfeuffer  in eine deutsch-jüdische Familie in Würzburg geboren,  verbrachte dort seine Kindheit und konnte 1936 mit seiner Familie noch rechtzeitig vor dem Holocaust nach Palästina auswandern, wo er in Jerusalem bis zu seinem Tod im Jahre 2000 lebte.

Jehuda Amichai, wie sich Ludwig Pfeuffer nach dem Zweiten Weltkrieg nannte, schrieb seinen einzigen Roman kurz nachdem er 1959 zum ersten Mal wieder an seinen Geburtsort Würzburg zurückgekehrt war. Das Buch ist vor allem auch von seinen Erlebnissen während dieses Besuchs geprägt.

Dieser Roman bildet die literarische  Grundlage der Aktion „Würzburg liest ein Buch“, die von der Stadt Würzburg unter der Schirmherrschaft von OB Christian Schuchardt und Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Würzburg und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland initiiert wurde. Im Rahmen der Stadtleseaktion wurde auch ein Kunstwettbewerb für alle Würzburger Gymnasien angeregt, an dem sich dann noch weitere Schulen aus Unterfranken beteiligten.  Da das Gymnasium Wiesentheid in der Q11 seit einigen Jahren einen Austausch mit einer israelischen Schule unterhält, nämlich mit der Boyer High School in Jerusalem, lag also eine Mitwirkung an dem Schulwettbewerb nahe.

Mit ihrem Wettbewerbsbeitrag verfolgte die Gruppe der diesjährigen Austauschschüler das Ziel, wichtige Motive, Figuren und Schauplätze des Romans zu deuten und malerisch zu gestalten. So entstand zunächst  in gemeinsamer Projektarbeit eine Collage aus 40 Einzelszenen auf Leinwänden von je 20 x 20 cm, zusammengefügt zu einem Bildertableau der Größe 160 x 80 cm.

Um den Informationsgehalt ihrer Bilder dem Betrachter erschließen zu helfen, schufen die beteiligten Schüler*innen anschließend noch einen Audioguide, der eine Einordnung ihrer Bilder in den jeweiligen Kontext der Romanhandlung ermöglicht und außerdem den Bildinhalt mit Hilfe entsprechender Zitate aus dem Romantext hörbar verdeutlicht. Alle Informationen des Audioguides sind mittels eines QR-Codes vom Betrachter der Bilder unmittelbar abrufbar oder über die Homepage des Gymnasiums Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid (www.lsh-wiesentheid.de/amichai) aufrufbar.

In ihrer abschließenden Würdigung des Wettbewerbsbeitrags hob die Jury insbesondere die anspruchsvoll kreative Auseinandersetzung mit Jehuda Amichais Roman durch die Wiesentheider Schüler*innen hervor. Aber auch die Verknüpfung ihres Kunstprojekts mit dem digitalen Angebot eines Audioguides fand lobende Anerkennung.

Im Beisein der aus Israel angereisten Familie des im Jahr 2000 verstorbenen Dichters, der Witwe Hana Amichai sowie der Tochter Emanuella und des Sohnes David Amichai, fand im Rahmen eines Festaktes in der Würzburger Stadtbücherei die Preisverleihung für den Schulwettbewerb durch die beiden Schirmherren Dr. Josef Schuster und Oberbürgermeister Christian Schuchardt statt. Aus ihren Händen nahmen Oberstudiendirektor Hilmar Kirch als Vertreter der Schule und die Schülerin Rebecca Möhringer als Mitglied der Projektgruppe die Urkunde über den zweiten Preis für das Gymnasium Wiesentheid entgegen.

Text: Rudolf Baumgarten, Gymnasium Wiesentheid / Foto: Jörg Wellen, Würzburg liest – Schulbeauftragter