Besuch bei Freunden in der Ukraine: Der Schüleraustausch mit Nowograd-Wolhynsk vom 31.03. bis 11.04.2018

Im Rahmen des Austausches mit der ukrainischen Partnerschule, der „Schule Nr.4“ in Nowograd-Wolhynsk, starteten am Ostersamstag, 31.März 2018, drei Schülerinnen und sieben Schüler der 10. und 11. Klasse unseres Gymnasiums zusammen mit den Lehrerinnen Martina Schenk und Claudia von Hayek vom Bahnhof Iphofen in den Nordwesten der Ukraine.

Bei dem vom Pädagogischen Austauschdienst, dem Bayerischen Jugendring und der Marktgemeinde Wiesentheid geförderten Austauschprogramm war im Oktober 2017 der Besuch von zehn Schüler*innen aus dem ukrainischen Gymnasium in Wiesentheid vorausgegangen. Damals begleiteten ebenfalls zwei Lehrerinnen – Alla Teteria und Olena Opanasjuk – die ukrainische Gruppe nach Unterfranken.

Der Zug brachte uns zunächst nach Nürnberg, von wo wir unsere 1500 Kilometer lange Reise in das ferne, fremdartige Land im Bus fortsetzten. Über Dresden und durch das südliche Polen kamen wir nach 24 Stunden Fahrt (unterbrochen von einigen Stunden Aufenthalt an der polnisch-ukrainischen Grenze), glücklich gegen 11 Uhr in Nowograd-Wolhynsk an, wo wir bereits sehnlichst erwartet und herzlichst empfangen wurden.

Gleich am ersten Tag unternahmen wir eine sehr interessante Exkursion nach Kiew. Nach kurzen Eindrücken vom Majdan, dem Revolutionsort von 2014, und von der belebten Innenstadt, erhielten wir eine sehr informative Führung durch das ukrainische Parlament, die „Werchowna Rada“ und trafen mit einem ukrainischen Abgeordneten aus Nowograd-Wolhynsk zusammen. Daran schloss sich ein ausführlicher Besuch im Museum des 2. Weltkriegs an, dessen Exponate uns durch ihre Authentizität stark beeindruckten.

Am nächsten Tag erwartete uns eine herzliche Begrüßung durch die Schulleitung. Eine Führung durch die „Schule Nr. 4“ sowie einige aufschlussreiche Unterrichtsbesuche standen auf dem Programm. Die Schule hatte für uns besondere Aufführungen und eine Fremdsprachenwoche, an deren Ende ein beeindruckendes „Eurofest“ stand, organisiert. Die Schüler*innen der Oberstufe beteiligten sich mit vielfältigen, gelungenen Beiträgen in Form von Tanzdarbietungen und Gesängen in mehreren europäischen Sprachen und Kostümen.

Weitere Highlights waren für uns die Besichtigung des Rathauses von Nowograd, wiederum mit einem herzlichen Empfang im Sitzungssaal durch den stellvertretenden Bürgermeister und die Leiterin des Bildungsreferats, zudem der Besuch im Geburtshaus der Dichterin Lesja Ukrajinka, welches heute ein Museum zu Ehren der Dichterin birgt.

Mit dem zweitägigen Ausflug in die vormals österreichisch-habsburgische Stadt Lviv (Lemberg, Löwenstadt) erlebten wir einen absoluten Höhepunkt.
Bereits während der Anfahrt machten wir einen interessanten Zwischenstopp, um das Schloss Olesko zu besichtigen. Ursprünglich erbaut im 11. Jahrhundert, wurde es im 13. Jahrhundert von Tataren zerstört. Heute birgt es ein beeindruckendes Museum mit interessanten Räumlichkeiten, Möbeln und Kunstwerken im Renaissancestil und anderen Epochen.
In Lviv brachte uns ein unkonventioneller Stadtführer die lebendige Stadt näher. Viele Kirchen unterschiedlicher Zeiten und Konfessionen, der Marktplatz mit dem Rathaus, den verschiedenen Patrizierhäusern aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert beeindruckten uns. Auch die Wohnhäuser aus der Gründerzeit und dem Jugendstil mit teils vielen kleinen und ideenreichen Geschäften erweckten das Interesse unserer Schüler*innen. In den Rundgang wurden auch das jüdische Denkmal an der ehemaligen Synagoge, die Stadtbefestigung und eine Führung durch das prächtige Renaissancepalais eines griechisch-stämmigen Weinhändlers eingeschlossen. Bei phantastischem Wetter kletterten wir schließlich zu den Ruinenresten des Hohen Schlosses hinauf. Von diesem Aussichtsberg aus boten sich atemberaubende Blicke auf die Stadt und unvergessliche Fotomotive.

Rechtzeitig zu den griechisch-orthodoxen Osterfeiertagen kamen wir zurück nach Nowograd-Wolhynsk, wo die Schüler*innen die Feierlichkeiten in ihren Gastfamilien miterleben durften.

Am letzten Abend gestalteten alle Schüler zusammen mit Eltern und Lehrern ein stimmungsvolles Abschiedsfest. Drei Schüler aus dem Gymnasium Wiesentheid spielten mit Posaune, Querflöte und Cajon den „Gruß aus Würzburg“ und alle Schüler sangen gemeinsam auf Ukrainisch und Deutsch das Lied „Chervona ruta“.

Die Zeit verging wie im Flug, und schneller als uns lieb war, mussten wir Abschied nehmen. Von Menschen, die unsere Freunde geworden waren, und einem Land, das uns an Herz gewachsen ist.

Ganz herzlich möchten wir uns bei den zwei Hauptorganisatorinnen, Alla Teteria und Olena Opanasjuk, bedanken, die uns mit wirklich großer Gastfreundschaft stets jeden Wunsch von den Lippen abgelesen haben.

Bericht und Fotos: Claudia von Hayek
(Bild 1: Ukrainische und deutsche Schüler auf dem Schlossberg in Lviv
Bild 2: Besuch der deutsch-ukrainischen Gruppe im Sitzungssaal des Rathauses von Nowograd-Wolhynsk; hintere Reihe, 8.bis 11. von rechts: der stellvertretende Bürgermeister von Nowograd-Wolhynsk Aleksander Rushyzky, die Leiterin der Bildungsverwaltung Fr. Gwosdenko, ihre Stellvertreterin Fr. Wastschuk sowie die Direktorin der Schule Nr. 4, Valentina Silvertjuk)