Das grüne Klassenzimmer – der Werdsee im Spiegel der Jahreszeiten • Dezember 2017

Der Dezember hatte fast alles zu bieten, Frost, Schnee und fast schon frühlingshafte Temperaturen zum Monatsende. 2017 war es gegenüber den langjährigen Mittelwerten in Unterfranken zu warm, hatte einen Sonnenstundenüberschuss und es fiel mehr als ca. 20% Niederschlag.

Warum frieren die auf dem Eis stehenden Stockenten nicht fest? Hier greift ein Trick des Blutgefäßsystems der Enten. Arterien und Venen sind in den Beinen eng miteinander verflochten. Dadurch wird das in die Füße einströmende, warme Blut durch das zurückströmende Blut stark abgekühlt, dabei sinkt die Temperatur im Körper von 40°C bis auf 1°C in den Füßen ab. Die Abkühlung erfolgt nach dem Gegenstromprinzip. Warme Füße wie beim Menschen würden das Eis, auf dem man steht, schmelzen lassen. Kühlt das angetaute Eis in der kalten Umgebung wieder ab, könnten die Entenfüße am Eis fest frieren.

Neben den Stockenten waren einige Standvögel am Werdsee zu beobachten wie Amseln, Blaumeisen, Kohlmeisen, Buchfinken, Rabenkrähen und Ringeltauben. Aber auch nordische Wintergäste wie der Erlenzeisig nutzten das Nahrungsangebot des Erlenbruchwaldes. Trupps von über 50 Tieren fraßen sich an den kleinen Erlensamen satt und bewegen sich dabei geschickt in den Astspitzen der Bäume. Aufgrund von Ringfunden konnte die Herkunft der Vögel genauer bestimmt werden. So fand vor einigen Jahren im Winter ein beringter Erlenzeisig den Tod an einer Wiesentheider Fensterscheibe. Der Zeisig stammte aus dem Gebiet um Stavanger in Norwegen. Ringfunde können an mich weiter gemeldet werden, sie geben Aufschlüsse über die Wanderwege der Zugvögel.

Eher unscheinbare Bewohner des Auwaldes sind Pilze. Hier wurde ein holzabbauender Vertreter, die Schmetterlingstramete oder Schmetterlingsporling, gefunden. Im heutigen Europa wurde das enorme Potential dieses Pilzes für unsere Gesundheit kaum beachtet. In Ostasien, vor allem in China, wird der Baumpilz zur Unterstützung des Abwehrsystems im Kampf gegen Viren, Bakterien und Krebs verwendet. Selbst “Ötzi” hatte vor über 5.000 Jahren einen Verwandten dieser Art in seiner Reiseapotheke.

Im Winter fallen die farbigen Flechten besonders auf. Die Gewöhnliche Gelbflechte ist eine der häufigsten Flechten in unserer Region. Flechten stellen eine Symbiose zwischen Alge und Pilz dar. Der Pilz nimmt das Wasser und die Nährstoffe aus der Luft auf, die Algen profitieren davon und stellen dem Pilz Zucker als Nahrung zur Verfügung. Die kräftig gelben Exemplare wachsen an besonnten und die mehr grünen Vertreter der Art an mehr schattigen Standorten.<

Mit den Dezember-Beobachtungen im grünen Klassenzimmer des Schulbiotops Werdsee schließt sich der Kreis der Jahreszeiten. Die einzelnen Monatsbeiträge finden Sie auf der Homepage unter dem obigen Titel.

Viel Spaß beim Naturgucken, über eine Rückmeldung würde sich StD Mann freuen!

(Text und Fotos: StD Matthias Mann)