Das grüne Klassenzimmer – der Werdsee im Spiegel der Jahreszeiten • September 2017

„Meist wechselhaft und trüb – kältester September seit 2010“ meldete der Wetterrückblick von wetteronline.
Die Wiesentheider Kirchweih stach mit sonnigen 18 °C heraus. Starkregen-ereignisse wie zu Schuljahresbeginn mit knapp 90 l/pro Tag blieben im Gedächtnis.
Dass der Werdsee nicht nur ökologischen und pädagogischen Zwecken dient, sondern auch zu Löschwasserzwecken verwendet wird, zeigte die Großübung der Rettungskräfte aus Wiesentheid und Umgebung am Nestfellplatz.
Die Blühsaison geht langsam zu Ende. Neben der Gefleckten Taubnessel, die besonders Hummeln zur Bestäubung anlockt, sticht die weißblühende Wald-Sternmiere heraus. Diese Pflanze ist eine Zeigerpflanze für feuchte Laubwälder und ist regional in ihren Bestand bedroht. Der Ufer-Wolfstrapp ist eine Sumpfpflanze und besiedelt den Teichrand des Werdsees. Wer sich die Blüten genau anschaut, findet die kleinen rotvioletten Punkte auf der Miniblüte, die als Landemarkierungen für Schwebfliegen dienen.
Am Waldrand des Erlenbruches fallen die großen Radnetze der Garten-Kreuzspinne auf. Die häufig vorkommende, fast 2 cm große Spinne baut fast täglich ihr etwa 30 cm großes Netz zum Insektenfang auf. Auf den Fäden der Fangspirale sind deutlich die Klebtröpfchen zu sehen, die auf den Speichenfäden fehlen. Menschen werden äußerst selten gebissen, der Biss kann schmerzhaft sein, ist aber ungefährlich. Ohne Spinnen würden die Mücken zur Plage werden.
Herbstzeit ist Erntezeit, die Früchte reifen und finden ihre Abnehmer. Die unbeweglichen Blütenpflanzen entwickelten unterschiedliche Strategien zur Samenverbreitung. Die Hunds-Rose und die Kratzbeere setzen ganz auf Farbe. Die knallroten Hagebutten und die UV-abstrahlenden, blauen Brombeer-Verwandten werden durch Vögel verbreitet. Die kleinen ölhaltigen Früchte der Gefleckten Taubnessel finden Ameisen sehr attraktiv und die klebrigen Samen des Ufer-Wolfstrapps gelangen schwimmend und durch Enten an ihren neuen Zielort. Die Gemeine Klette und die Echte Nelkwurz besitzen Widerhaken und werden von Tieren oder Menschen meist unbemerkt auf die Reise geschickt. Wie bekannt werden die Schirmchen des Löwenzahns durch den Wind verbreitet, auf gleiche Weise erfolgt dies bei der Acker-Gänsedistel.

Anregungen zur Naturbeobachtung im Oktober:

• Stelle eine Wildfrüchte-Marmelade aus Hagebutten, Schlehen oder wilden Brombeeren her. Rezepte findest du im Internet. Verstreue anschließend die Samen, so kommen auch die Pflanzen auf ihre Kosten.

• Sammle verschiedenfarbige Blätter des Herbstlaubes! Welche Farbstoffe sind im Blatt? Über die Versuche aus www.umweltdetektive.ch mit dem Titel Herbstfärbung der Blätter findest du das heraus.

• Sammle noch mehr Herbstlaub und baue eine Igelburg! Ideen findest du dazu, unter www.gartentipps.com/winterquartier-fuer-igel-bauen-5-ideen-vorgestellt.htm

Viel Spaß beim Naturgucken, über eine Rückmeldung würde sich OStR Mann freuen!

Text und Fotos: OStR Matthias Mann