Das grüne Klassenzimmer – Der Werdsee im Spiegel der Jahreszeiten • November 2017

2. Dezember 2017

Die ersten Frostnächte mit starken Winden führten zum schnellen Blattfall und Ende November kam der Schnee bis ins Flachland.
Im November trat Ruhe ein am Werdsee. Die Stockenten-Erpel haben ihr Prachtkleid voll entwickelt. Eine erste Balzphase wurde abgeschlossen und die Stockenten sind bereits locker verpaart.
Ein Gartenflüchtling macht sich im Auwald breit. Die gewöhnliche Schneebeere ist ursprünglich in Nordamerika heimisch, in Siedlungsgebieten verwildert sie in feuchten Lebensräumen. Werden die Beeren fest auf den harten Boden geworfen, gibt es einen Knall. Deshalb heißt dieser Busch auch Knallerbsenstrauch.
Der Gemeine Efeu könnte als europäische Liane bezeichnet werden. Im Spätherbst und im Winter fällt er besonders auf, da ein stärkerer Laubfall bei ihm erst im Frühling einsetzt. Eine Schädigung von großen Laubbäumen konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Vielmehr spielt der Efeu im Ökosystem Wald eine positive Rolle. Er bietet vielen Vogelarten Nistmöglichkeiten, aufgrund seiner späten Blüte vielen Insekten bis in den Herbst Nahrung und wegen seiner Fruchtreife im Frühjahr vielen zurückkehrenden Zugvögeln eine erste Nahrung. Interessant sind die unterschiedlichen Blattformen, die in der Botanik als Heterophillie bezeichnet werden. Bei Jungpflanzen entwickelt sich das typische Efeublatt, im fruchtenden Zustand ändert sich die Blattform, sie werden runder, größer und glänzender.
Der Rotmilan ist ein tagziehender Greifvogel. Es zog noch ein kleiner Trupp von fünf Tieren über Wiesentheid in Richtung Südosten. Immer häufiger bleibt der Rotmilan im Brutgebiet, so auch am Rande des Steigerwaldes. Für den Rotmilan trägt Deutschland eine besondere Verantwortung, über 50% des gesamten Weltbestandes der Art ist hier heimisch.

Anregungen zur Naturbeobachtung im Dezember:
• Die Zeit der Vogelfütterung im Winter ist gekommen. Ein abwechslungsreiches Angebot aus Weich- und Körnerfutter hilft den Vögeln, die harte nahrungsarme Zeit zu überstehen. Mit einem Fernglas, einem bereitliegenden Bestimmungsbuch oder verschiedenen Vogel-APPs lassen sich die Vögel am Futterhaus gut beobachten und bestimmen.
• Besonders eindrucksvolle Vogel-Beobachtungen können an der Vogeltränke gemacht werden. Es genügt eine mit frischem Wasser gefüllte Schale (Tiefe 3-5cm), um selbst im Winter badende Vögel zu sehen. Ein möglichst täglicher Wasserwechsel ist erforderlich.
• Jetzt ist eine gute Zeit, sich ein Rinden-Archiv der verschiedenen Baumarten anzulegen. Einfach weißes Papier auf die Rinde drücken und mit dem Bleistift einen Ausschnitt darüber schraffieren.
Viel Spaß beim Naturgucken, über eine Rückmeldung würde sich StD Mann freuen!

Text und Fotos: StD Matthias Mann

Foto 1:

Nachmittag am Werdsee
Foto 2: Stockententrupp
Foto 3: Gewöhnliche Schneebeere
Foto 4: Gemeiner Efeu an der Schwarzerle
Foto 5: Jungpflanze des Efeus
Foto 6: Fruchtender Efeu