Deutsch-ukrainische Schülergruppe erkundet Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung in und um Wiesentheid

Im Rahmen ihres Ausflugs nach Volkach besichtigte die deutsch-ukrainische Schülergruppe auch die 	Kapelle Maria im Weingarten. 
	2. von links: Alla Teteria, Deutschlehrerin an der Schule Nr. 4; rechts: Martina Schenk, Lehrerin am 	Landschulheim Wiesentheid

Vom 14. bis 24. Oktober waren am Gymnasium Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid 14 Jungen und Mädchen sowie zwei Begleitlehrerinnen aus der nordwestukrainischen Stadt Nowograd-Wolhynsk zu Gast. Im Rahmen des seit 17 Jahren bestehenden Schüleraustausches wohnten die 15- bis 17-jährigen Schülerinnen und Schüler aus der „Schule Nr.4“ in Familien etwa gleichaltriger Jugendlicher aus den 10. und 11. Klassen des Landschulheims. Sie besuchten gemeinsam mit ihren Gastgebern den Unterricht und konnten bei Exkursionen die nähere und weitere Umgebung Wiesentheids kennenlernen.

Die Begegnung, die unter anderem vom Bayerischen Jugendring und vom Pädagogischen Austauschdienst finanziell gefördert wird, stand diesmal unter dem Motto „Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung“. Das „Ukraine-Team“ des Landschulheims, Martina Schenk, Harald Godron, Ulrike Sandmeyer-Haus und Reiner Rösel hatten damit einen Vorschlag der ukrainischen Deutschlehrerin Alla Teteria aufgegriffen, die in der Schule Nr. 4 für den Austausch verantwortlich ist und zusammen mit ihrer Kollegin Olena Opanasiuk die ukrainische Schülergruppe nach Wiesentheid begleitete.

Im Rahmen gemeinsamer Unterrichtsstunden und Exkursionen erfuhren die ukrainischen und deutschen Schülerinnen und Schüler, wie sich Bürgerinnen und Bürger in Wiesentheid und Umgebung ehrenamtlich, in Vereinen oder im Rahmen politischer Mitbestimmung am gesellschaftlichen und politischen Leben beteiligen.
Einen Einblick ins örtliche Vereinsleben vermittelte der Besuch einer Trainingsstunde des TSV Wiesentheid. Die ukrainischen Gäste hatten viele Fragen an die Mädchen der Tanzgruppe, denn Tanzen ist auch in Nowograd-Wolhynsk ein beliebtes Hobby und wird sowohl in Vereinen als auch in der Schule unterrichtet. Mitbestimmungsmöglichkeiten durch Bürgerbegehren und Bürgerentscheid veranschaulichte bei einer Exkursion nach Volkach der Vertreter der Bürgerinitiative für den Spielplatz Sambühl, Ralf Döhler. Und ein Vortrag der Wiesentheiderin Helma Schug zeigte unter anderem, wie wichtig ehrenamtliches Engagement gerade angesichts der großen Zahl an Flüchtlingen ist, die derzeit in deutschen Kommunen untergebracht, betreut und integriert werden müssen. Sie berichtete über konkrete Flüchtlingsschicksale und über die Arbeit des örtlichen Asylbewerber-Helferkreises. Weiterhin stand ein Besuch bei der Freiwilligen Feuerwehr Wiesentheid auf dem Programm und ein Ausflug nach Iphofen, bei dem die deutschen und ukrainischen Jugendlichen am Beispiel des Knauf-Museums sehen konnten, wie durch einen privaten Unternehmer das kulturelle Angebot der Region bereichert wird.
Natürlich kamen auch die Sehenswürdigkeiten der Region im Programm nicht zu kurz. Neben Wiesentheid, Volkach und Iphofen besuchte die deutsch-ukrainische Gruppe Würzburg und Bamberg.
Weiterhin empfing Bürgermeister Dr. Knaier die Gruppe aus Nowograd-Wolhynsk und ihre Gastgeber im Namen der Gemeinde des Marktes Wiesentheid im Rathaus.

Beim Abschiedsabend im Speisesaal des Steigerwald-Landschulheims feierten Gastgeber und Gäste die gelungene Begegnung. Martina Schenk lobte die jugendlichen Teilnehmer für ihr Engagement im Rahmen des Austausches, das selbst ein Stück Bürgerbeteiligung sei und zum friedlichen Miteinander in Europa beitrage. Für eine fröhliche Stimmung, die ein wenig über den bevorstehenden Abschied hinweghalf, sorgten die ukrainischen Gäste durch Lieder und Tanzeinlagen.

Ein Wiedersehen soll es im kommenden Frühjahr beim Gegenbesuch der Wiesentheider Schülergruppe an der Schule Nr. 4 in Nowograd-Wolhynsk geben.

Martina Schenk

Fotos: Ulrike Sandmeyer-Haus, Elena Wolf