Flüchtlinge – (Hilfe) wenn sie kommen

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Anders aussehende Menschen in unseren Gemeinden, die den ganzen Tag scheinbar nichts zu tun haben, Fahrrad fahren, mit Handys herumtelefonieren, komisch einkaufen gehen und dabei kein Wort Deutsch oder nur sehr wenig deutsch sprechen können? Bisher nie wahrgenommen?

Nein – mittlerweile kann man auch in vielen unterfränkischen Gemeinden, so auch in Wiesentheid, buchstäblich sehen, dass uns alle die Flüchtlingsfrage betrifft, über die man so oft im Fernsehen Berichte sowie tagesaktuelle Nachrichten verfolgen und in unseren Tageszeitungen lesen kann.

Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 am sozialwissenschaftlichen Zweig des Steigerwald- Landschulheims Wiesentheid konnten am 22.10.2014 quasi aus erster Hand einen ersten Einblick über diese spannende und zugleich bedrückende Problematik sammeln. Hintergrund ist der Jugendkreistag Februar 2015 in Kitzingen, der sich dieser Frage widmen möchte.
Dr. Werner Knaier (Erster Bürgermeister der Marktgemeinde Wiesentheid), Irene Hünnerkopf und Helma Schug (im Verein „Zeit füreinander“ federführend ehrenamtlich tätige Bürgerinnen der Marktgemeinde Wiesentheid) stellten grundlegende Aspekte dieser Flüchtlingsfrage in einer Unterrichtsstunde dar: Welche Probleme gilt es für die zehn somalischen Flüchtlinge in Wiesentheid zu überwinden, was haben diese hinter sich gelassen, was haben sie erlebt?

So berichteten zunächst Frau Schug sowie Frau Hünnerkopf einführend darüber, dass diese somalischen Flüchtlinge z.T. über drei Jahre unterwegs gewesen sind, bis sie hier ´landeten` – weit weg von ihrer Heimat. Ganz abgesehen davon, dass diese jungen Flüchtlinge z.T. über eine nur sehr geringe, mitunter auch gar keine Schul- bzw. Ausbildung verfügen, eine sehr gefährliche Saharadurchquerung und Mittelmeer-überfahrt, ´organisiert` von geldgierigen und kriminellen Schleppern, im wahrsten Sinne des Wortes überleben müssen (ohne Platz auf den Schiffen, ohne Besitztümer – oft nur das besitzend, was auf dem Leib getragen und in der Hand gehalten wird), fanden die jugendliche Zuhörerschaft und die auch Lehrkräfte es bedrückend und auch beklemmend zu hören, dass nicht selten diese jungen Flüchtlinge von der heimatlichen Dorfgemeinde, ja sogar von ihren Eltern aufgefordert werden, die Heimat zu verlassen, da es zuhause für sie kein Auskommen mehr gäbe und sie somit der Gemeinschaft zur Last fielen. Von ´freiwilliger Migration` kann man da wohl kaum noch sprechen. Hier angekommen müssten sogar Ehepaare damit rechnen, getrennt und an verschiedenen Orten verbracht zu werden (so Dr. Knaier).

Herr Dr. Knaier erzählte im Anschluss von grundlegenden, oftmals auch in der Öffentlichkeit unbekannten Problemen, mit denen die Gemeinden konfrontiert werden:
So wüsste man bis zum Eintreffen der unterzubringenden Flüchtlinge bis auf die Anzahl nicht, wie alt diese wären, wie viele Frauen und Männer bzw. Kinder (wie viele Mädchen und wie viele Jungen) einträfen, was sie besäßen, welche kulturell-ethnisch-religiösen Hintergründe vorhanden seien usw. Er verwies auch darauf, dass man keinen Einfluss habe auf die Zahl der aufzunehmenden und unterzubringenden Flüchtlinge, sondern dass man Vorgaben einhalten müsse, die von übergeordneten Regierungsstellen auf Landkreis-, Regierungsbezirk-, Landes- und schließlich auf Bundesebene vorgeschrieben wären (sog. Verteilungsschlüssel). So müsste der Landkreis Kitzingen pro Woche 10 Flüchtlinge aufnehmen und versorgen.

Daher sei man sehr dankbar für die im Verein „Zeit füreinander“ ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger aus der Marktgemeinde Wiesentheid. Dieser kümmert sich zusammen mit der Marktgemeinde darum, dass die neu Eingetroffenen mit Einkaufsmöglichkeiten vertraut gemacht werden, dass die medizinische Versorgung funktioniert, dass die Ausstattung mit dem Notwendigsten organisiert wird, z.B. dadurch, dass man sich darum bemüht, die Flüchtlinge mit einem Fahrrad auszustatten, dass sie eine Moschee besuchen können, wenn sie der islamischen Glaubensgemeinschaft angehören. Auch Fragen der Bildung sowie der psychologischen Betreuung würden eine wichtige Rolle spielen.

Zum Abschluss wiesen die drei Gäste am Landschulheim ausdrücklich auf folgende Gesichtspunkte hin: zum einen auf die enorm hohe Integrationsbereitschaft der somalischen Flüchtlinge, v.a. im Hinblick auf das Erlernen der deutschen Sprache und ganz allgemein im Bereich der Bildung, zum zweiten auf die Notwendigkeit, dass eine ´Überbemutterung` der Flüchtlinge unbedingt vermieden werden müsse, um deren Selbstständigkeit zu fördern und dass man eine sehr hohen Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger feststellen könne, die aber auch organisatorisch in sinnvoll und nützliche Bahnen zu lenken sei.
Nach einem herzlichen Applaus der Schülerinnen und Schüler wurden die drei ´außerschulischen Lehrkräfte` verabschiedet; dankenswerter Weise wurde von ihnen die Fortsetzung dieser Gesprächsrunde angeboten, was bei allen Beteiligten auf sehr großes positives Echo stieß.

Text und Bild: Ulrich Bäumler

Foto: Die Referenten Helma Schug, Irene Hünnerkopf und Dr. Werner Knaier (von links nach rechts) vor Schülern der 10. Klasse des Gymnasiums Wiesentheid