Gemeinsam das Wir-Gefühl weiterentwickeln

Gesprächsrunde der Schülersprecher mit dem neuen stellvertretenden Schulleiter am Gymnasium in Wiesentheid, der am 08.11.2017 genau 100 Tage im Amt ist.

Viele Gemeinsamkeiten entdeckten vor einigen Tagen die Teilnehmer an einer außergewöhnlichen Gesprächsrunde im Gymnasium Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid. Die drei frisch gewählten Schülersprecher*innen der SMV für das Schuljahr 2017/18, Gina Wenner, Sofie Heider und Josef Athea, hatten ihren neuen stellvertretenden Schulleiter, Achim Höfle, um ein Interview gebeten. Diesem Wunsch ist der langjährige Mathematik- und Physiklehrer auch in seiner neuen Funktion als wichtiges Mitglied der Schulleitung sehr gerne nachgekommen. In einer entspannten und vertrauensvollen Gesprächsrunde in seinem Büro beantwortete er nicht nur Fragen zu seinen neuen schulischen Aufgaben und zu seinen Zielvorstellungen bei der Weiterentwicklung der Schule. Auch bei privaten Fragen seine Person betreffend gab er bereitwillig Auskunft. Außerdem erkundigte er sich seinerseits bei den Schülersprechern nach deren Plänen und Vorhaben, mit deren Hilfe sie das Wir-Gefühl am Gymnasium Wiesentheid stärken wollen.

SMV: Herr Höfle, Sie sind ja seit 1999 an unserem Gymnasium als Lehrer und dann Fachschaftsleiter der Fächer Mathematik und Physik beschäftigt. Wo sind Sie denn selbst zur Schule gegangen?
Achim Höfle: Oh, das ist ja noch eine einfache Einstiegsfrage. Also das Gymnasium war in Günzburg, das kennt ihr vielleicht vom Legoland.
SMV: Was war ihre Motivation zu lernen, in die Schule zu gehen und vor allem Ihr Abitur zu machen?
Achim Höfle: Wie bei jedem Schüler auch, hatte ich natürlich Fächer, die ich total gerne gemacht habe. Da hat man sich wirklich mal auf den Unterricht gefreut. Für mich stand schon immer fest, dass ich Abitur machen wollte. Der Hauptgrund war eigentlich das Studium an sich. Ich wollte einfach schon immer studieren und das hat mir dann auch tatsächlich sehr viel Spaß gemacht. Ich wollte etwas vertieft machen und gefordert werden. Das war für mich das Ziel und ich wusste, das geht nur im Studium.
SMV: Welches Fach mochten Sie in Ihrer Schulzeit am liebsten?
Achim Höfle: Eines meiner absoluten Lieblingsfächer war Sport, vor allem Basketball und natürlich Physik. Das ist ein traumhaftes Fach. Neben den Naturwissenschaften fand ich aber Deutsch auch total interessant, allerdings nur wenn es um Literatur ging.
Allgemein lässt sich sagen, dass ich der Typ Schüler war, der immer versucht hat, etwas aus jedem Unterricht mitzunehmen.
Für die Sprachen konnte ich mich in meiner Schulzeit eher weniger begeistern, was ich aber sehr bereut habe, da ich Englisch dann im Studium gut gebrauchen konnte. Deshalb bin ich auch für vier bis fünf Monate nach England gegangen, was mir die Sprache nähergebracht hat.
SMV: Ab wann war Ihnen klar, dass Sie Lehrer werden wollen und weshalb genau dieser Beruf?
Achim Höfle: Ich habe schon sehr früh, ab der siebten Klasse, Nachhilfe gegeben. Das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und mir hat es einfach gefallen, dass ich anderen helfen kann und auch Fortschritte sehen konnte. Ich denke das ist die Hauptmotivation, wieso ich dann ab der zehnte Klasse sicher war, dass ich Lehrer werden wollte. Und mir macht der Beruf jetzt jeden Tag aufs Neue sehr viel Spaß.
SMV: Seit dem 1. August sind Sie aber nicht mehr nur noch Lehrer, sondern haben eine neue Funktion in der Schulleitung an unserem Gymnasium. Wie wird man eigentlich stellvertretender Schulleiter?
Achim Höfle: Es gibt ja keinen Studiengang dafür. Ich habe verschiedene Fortbildungen gemacht und mir dadurch auch Qualifikationen angeeignet. Der Rest ist dann einfach nur bewerben, hoffen und Glück haben.
SMV: Was sind denn nun Ihre typischen Aufgaben?
Achim Höfle: Hauptsächlich Gespräche führen, organisieren und viele einzelne, kleinere Entscheidungen treffen. Gelegentlich unterrichte ich aber auch noch.
SMV: Wie groß ist Ihr Mitspracherecht bei schulischen Entscheidungen?
Achim Höfle: Es gibt in der Schule nur einen, der formal entscheidet und auch den Kopf hinhält und das ist Herr Kirch, unser Schulleiter. Wichtige Entscheidungen werden jedoch immer in einer größeren Gruppe getroffen.
An manchen Tagen aber, wenn z.B. Herr Kirch nicht anwesend ist, bin ich der Chef, bzw. derjenige, der die Entscheidungen trifft. Die vielfältigen Aufgaben sind zudem unter den Mitgliedern der Schulleitung aufgeteilt, z.B. bei Veranstaltungen. Schule funktioniert nur als Team.
SMV: Haben sich Ihre Beziehungen zu Ihren Kollegen durch die neue Stelle verändert?
Achim Höfle: Das ist schwer zu sagen. Ich versuche, genauso der Kollege zu sein wie früher, obwohl das nicht mehr ganz das Gleiche ist. Die Lehrer kommen jetzt für Entscheidungen zu mir. Der persönliche Umgang ist aber noch derselbe.
SMV: Was gefällt Ihnen am meisten an dem neuen Amt?
Achim Höfle: Man kann etwas in Gang setzen, da die Wege zur Mitsprache kürzer sind. Ich kann leichter meine eigenen Ideen einbringen. Was mir auch noch gefällt ist, dass man die Schule nun von einer anderen Seite kennenlernt, z.B. durch den veränderten Kontakt mit den Schülern. Und außerdem habe ich – wie ihr seht – ein eigenes Büro.
SMV: Welche Ziele wollen Sie unbedingt an unserem Gymnasium erreichen?
Achim Höfle: Das allergrößte Ziel ist für mich, dass wir in der Schulfamilie, sprich, Schüler, Eltern und Lehrer, respektvoll miteinander umgehen. Das zweite, aber auch sehr wichtige Ziel, ist das jeder mit Stolz sagen kann: „Das ist unsere Schule!“ Das sind die Schlüssel für den fairen und richtigen Weg, die ich noch verstärken möchte.
SMV: Was macht unsere Schule, Ihrer Meinung nach, so besonders?
Achim Höfle: Der oft schon gerühmte Geist unserer Schule. Wir haben einen angenehmen, warmen und offenen Umgang miteinander. Die Grundeinstellung stimmt, da das respektvolle und tolerante Miteinander bei uns zum Alltag gehört. Wir müssen das nicht noch extra im Unterricht erlernen, sondern wenden es schon jeden Tag in Bezug auf unser Internat und unsere internationale Schülergemeinschaft an. Wir sind dadurch kein „normales“ Gymnasium.
Außerdem haben wir noch unglaublich viele Aktivitäten.
Leider sind wir eine sehr bescheidene Schule, die sich in den letzten Jahren zurückgehalten hat, das zu zeigen, was wir eigentlich können.
SMV: Merkt ihre Familie Unterschiede zwischen dem “normalen” Lehrer Achim Höfle und dem stellvertretenden Schulleiter Achim Höfle?
Achim Höfle: Ich versuch wirklich zu Hause kein Lehrer und vor allem auch kein stellvertretender Schulleiter zu sein. Meine Familie merkt es natürlich auch zeitlich. Deshalb haben wir auch lange gemeinsam überlegt, ob ich mich auf diese Funktionsstelle bewerben soll, denn mir persönlich ist es wichtig, auch Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Man muss schon sagen, der Lehrerberuf ist ein „Geschenk für Männer“. Es gibt selten solche Berufe, bei denen man sich so frei die Zeit einteilen kann. Ich bin sehr organisiert und arbeite sehr schnell, daher habe ich meiner Meinung nach viel Zeit für meine Familie. Das ist nun natürlich beim stellvertretenden Direktoramt nicht mehr in diesem Maße möglich, da man mehr Verantwortung, feste Zeiten und Termine hat.
SMV: Wie viele Kinder haben Sie?
Achim Höfle: Zwei Jungs.
SMV: Was unternehmen Sie am liebsten mit Ihrer Familie in der Freizeit?
Achim Höfle: Ich schaue meinen Kindern am liebsten beim Fußballspielen zu, oder gehe sehr gerne mit den beiden Jungs zum Golfen. Das ist auch mein Hobby. Zudem programmiere ich viel, sitze also oft am Computer. Da habe ich sicherlich einiges mit euch gemeinsam, oder?
SMV: Ja schon, aber wir sind wohl vor allem am Handy und chatten, schauen Filme oder spielen.
Achim Höfle: Wo wir jetzt schon bei euch sind: ihr seid nun ja die neu gewählten Schülersprecherinnen und Sprecher für dieses Schuljahr. Welche Ziele habt ihr euch denn persönlich bzw. hat die SMV sich für dieses Schuljahr vorgenommen?
SMV: Wir wollen zusammen mit den anderen Mitgliedern der SMV die üblichen Aktionen durchführen und erweitern. Dazu zählen z.B. der Verkauf von Nikoläusen um den 6.12. herum und die Rosenaktion am Valentinstag. Außerdem sind wir für die Planung und Durchführung der Faschingsparty verantwortlich. Vor kurzem haben wir zudem die Halloweenparty für die Unter- und Mittelstufe unserer Schule organisiert – das hat allen Spaß gemacht.
Achim Höfle: Das sind ja alles tolle Projekte. Was macht für euch denn eine gute Schule aus?
SMV: In erster Linie, dass unsere Schule eine Familie ist. Schule ist Schule, das ist klar, aber es gibt eine Art von Schule, die wir sehr gerne mitgestalten wollen. Und dass soll eine Schule sein, in der man sich geborgen fühlt und in der eine Gemeinschaft herrscht. Das größte Ziel ist dabei sicherlich, dass sich alle, insbesondere die Fünftklässler, in der Schulfamilie aufgenommen fühlen.
Unter diesem Motto steht auch unser nächstes Klassensprecherseminar Mitte November. Hier wollen wir gemeinsam mit den SMV-Mitgliedern, den Vertrauenslehrern und der Schulleitung überlegen, wie wir auch Außenstehenden zeigen können, wie sehr wir uns am LSH wohlfühlen.
Achim Höfle: Na, dann haben wir ja viele Gemeinsamkeiten. Auch ich möchte mit euch, euren Eltern und meinen Kollegen dieser Schule das Wir-Gefühl stärken. Es wäre wünschenswert, wenn wir uns dazu in regelmäßigen Abständen treffen, Zielvereinbarungen erarbeiten und dann das Erreichte überprüfen. Würdet ihr an diesem Schulentwicklungsprozess mitwirken wollen?
SMV: Ja, sehr gerne. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Gespräch genommen haben.
Achim Höfle: Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Danke für euer Engagement in der SMV!

Zusammenfassung des Interviews: Harald Godron
Foto: Elmar Halbritter – Die Schülersprecher (v.l.n.r. Sofie Heider, Gina Wenner, Josef Athea)
und der stellvertretende Schulleiter Achim Höfle im Gespräch