Mit hunderttausenden Jugendlichen in Polen unterwegs

Studienfahrt 2016 in ein faszinierendes Nachbarland

Die diesjährige Studienfahrt einiger Oberstufenschüler*innen des Gymnasiums Steigerwald Landschulheim Wiesentheid stand ganz im Zeichen der fast gleichzeitig stattfindenden katholischen Weltjugendtage in Krakau. Über 1,5 Millionen Jugendliche und junge Erwachsene aus der ganzen Welt wurden Ende Juli in Krakau erwartet, um an religiösen und kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen. Als Höhepunkt wurde der Abschlussgottesdienst mit Papst Franziskus gefeiert. Fast gleichzeitig führte vom 20. bis zum 28. Juli 2016 die schon traditionelle Studienfahrt des Gymnasiums Wiesentheid insgesamt 44 Schülerinnen und Schüler unter der Leitung der drei Begleitlehrer*innen Barbara Pfeuffer, Markus Henneberger und Harald Godron in Deutschlands faszinierendes Nachbarland Polen.

Seit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts gibt es am Gymnasium Wiesentheid eine deutliche Ostorientierung bei den Austauschprogrammen und Studienfahrten. Deshalb werden an der Schule nicht nur Schüleraustausche mit Frankreich und Israel, sondern eben auch mit Schulen in Tschechien und der Ukraine angeboten. Die Abschlussfahrt der 11. Klassen führt demzufolge auch nicht nur nach Italien, sondern auch nach Polen – in ein für viele Jugendliche unbekanntes und nicht selten mit Vorurteilen behaftetes Nachbarland. Ziel dieser Reise war es, den Jugendlichen nicht nur die z.T. schwierige deutsch-polnische Geschichte näher zu bringen, sondern auch die landschaftliche und kulturelle Schönheit und Vielfalt dieses Reiselandes aufzuzeigen.
Die Reiseroute der Studienfahrt wurde in diesem Jahr leicht verändert, um den größten Engpässen bei den Übernachtungsplätzen aus dem Weg zu gehen. Deshalb war diesmal Breslau die erste Station auf der über 2500 km langen Rundreise durch Polen. Die nach den schweren Zerstörungen im 2. Weltkrieg vielfach wunderschön wiederhergestellte Kulturhauptstadt Europas 2016 zog die Reiseteilnehmer sofort in ihren Bann. Die Stimmung in der Stadt war dank der unzähligen Jugendlichen aus aller Welt, die hier ihre den Weltjugendtagen vorgeschalteten „Tage der Begegnung“ feierten, ausgelassen und fröhlich. Bis spät in die Nacht hinein pulsierte das Leben in den Straßen und auf dem Rynek (Marktplatz) der Stadt.
Die Weiterreise führte die Gruppe nach Auschwitz. Hier wurden die Jugendlichen mit einem der dunkelsten Kapitel der deutsch-polnischen bzw. deutsch-jüdischen Geschichte konfrontiert. Auch wenn die Jugendlichen im Unterricht und zur Vorbereitung auf die Studienfahrt schon viele Informationen über den Holocaust und die Gräueltaten der Nationalsozialisten erhalten hatten, war der Rundgang über das Gelände des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers für viele Teilnehmer ein emotional sehr bewegender Moment.
Als nächste Übernachtungsstation stand Krakau auf dem Programm. Die Stadt füllte sich von Tag zu Tag mit immer mehr Pilgern und Gästen des Weltjugendtages. Somit begeisterte diese wunderschöne Stadt die Jugendlichen nicht nur mit ihren Sehenswürdigkeiten und Museen, sondern auch mit ihrer Vitalität und Lebensfreude. Zusammen mit den internationalen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus aller Welt konnte unsere Schülergruppe die Livekonzerte und das Vorprogramm der Weltjugendtage genießen.
Lodz, die Millionenstadt im Zentrum Polens, strahlte dann im weiteren Reiseverlauf für viele Jugendliche einen etwas herberen Charme aus. Diese Industrie- und Handelsstadt befindet sich nach dem Niedergang der traditionellen Textilindustrie gerade in einem Umbruch. Die zum Teil verfallenen, zum Teil wieder aufwändig restaurierten ehemaligen Industrieanlagen sowie die über vier Kilometer lange Einkaufs- und Flaniermeile im Stadtzentrum sind aber sehr sehenswert. Sie geben den Teilnehmer*innen sehr gute Einblicke in die historischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und architektonischen Veränderungen in Polen in den vergangenen Jahrzehnten.
Die letzte Station der diesjährigen Rundreise bildete die alte, traditionelle Handelsstadt Posen. Auch hier gab es ein abwechslungsreiches Besichtigungsprogramm, das die Jugendlichen neben dem Stadtrundgang und dem Besuch der Dominsel auch in eines der modernsten Einkaufszentren Europas führte. Hier konnten gerade die weiblichen Teilnehmerinnen der Studienfahrt die abwechslungsreichen neun Tage bei einer ausgiebigen Shoppingtour ausklingen lassen.
Am 28. Juli kehrten dann alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen der diesjährigen Studienfahrt erschöpft, aber voll mit vielen neuen, unvergesslichen Eindrücken wieder nach Wiesentheid zurück. Und so manch ein Jugendlicher wird erkannt haben, dass es auch im Osten Europas viele faszinierende Reiseländer zu entdecken gibt. Ein Besuch in Polen auch nach den Weltjugendtagen, lohnt sich immer, für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen!

Verfasser: OStR Harald Godron / Foto: Barbara Pfeuffer

Hier ist ein kurzer Film über diese Reise, den unsere Schülerin Leila Khalilova erstellt hat:
https://youtu.be/0sUOAflK6Kc

Hier ist ein kurzer Film über diese Reise, den unsere Schülerin Leila Khalilova erstellt hat: https://youtu.be/0sUOAflK6Kc