Israelisch-deutsche Völkerverständigung am Gymnasium Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid (im Rahmen des Johannes Rau Stipendiumprogramms)

Zusätzlich zum Austausch mit Israel, den es am Gymnasium Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid (LSH) seit Herbst 2012 gibt, haben in diesem Jahr ein Schüler und eine Schülerin des LSH am Johannes Rau Stipendiumprogramm teilgenommen. Dieses wurde vom damaligen Bundespräsident Johannes Rau im Jahr 2000 eingeführt, um die Verständigung zwischen deutschen und israelischen Jugendlichen voran zu treiben. Im Rahmen dieses Stipendiums kommt jedes Jahr eine Gruppe von 20 jugendlichen Israelis mit zwei Begleitern für 13 Tage nach Deutschland, und sie erleben für eine Woche den Alltag in der Schule ihrer Partner und eine Woche Berlin.


Die teilnehmenden Schulen werden vom Kultusministerium des jeweiligen Bundeslandes ausgewählt und die teilnehmenden deutschen Schüler von den entsprechenden Schulen. Die Zuteilung der israelischen Teilnehmer wird durch das Organisationsteam des Stipendiumprogramms vorgenommen und diese stellen dann auch den Kontakt zwischen den Jugendlichen her.
Vor Beginn des Programmes müssen sich mögliche gastgebende Schüler mit einem englischen Brief, in dem sie eine Art Aufsatz zu einem bestimmten Thema abfassen, bewerben. Zusätzlich füllen sie einen Steckbrief aus und schreiben einen persönlichen Brief an ihren zukünftigen Partner, in dem sie sich und ihre Familie vorstellen.
Die Teilnehmer aus beiden Ländern hatten im September 2016 ein Vorbereitungsseminar, in dessen Verlauf sie erste Informationen über den genauen Ablauf des Deutschlandaufenthalts erfuhren und die anderen Jugendlichen kennenlernen konnten. Mitte Oktober kamen dann die israelischen Stipendiaten nach Berlin und lernten ihre Gastgeber kennen.
Die israelischen Jugendlichen Daniel und May besuchten das Gymnasium Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid mit ihren gastgebenden Schülern für eine Woche und haben in dieser Zeit in der Oberstufe mehrere Vorträge im Fach Englisch über ihr Heimatland Israel gehalten, unter anderem am 21. Oktober 2016 in der 12. Jahrgangsstufe. In diesem Vortrag, der völlig frei auf Englisch gehalten wurde, ging es um verschiedene Aspekte Israels wie zum Beispiel allgemeine Informationen, die israelische Armee und den Geheimdienst, politische Parteien und Politik, den andauernden Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern und mögliche Lösungen, sowie die Terrororganisation Hamas und ihr Vorgehen gegen Israel. Auch auf das Projekt „Seeds of Peace“, an dem die israelische Schülerin May teilgenommen hatte, wurde eingegangen. Bei diesem Projekt begegnen sich israelische und palästinensische Jugendliche im Rahmen eines Sommercamps oft zum ersten Mal. Sie essen gemeinsam, leben und arbeiten zusammen und lernen so die unterschiedlichen Sichtweisen der jeweiligen Seite kennen. Dieses Camp hat May eine neue Sichtweise auf die Einstellungen der Palästinenser eröffnet und bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen.
Die deutschen Schüler waren von diesem Vortrag sehr angetan und es war auch sehr interessant zu sehen, dass May und Daniel in Bezug auf Israels Politik unterschiedliche Sichtweisen haben, die sie sehr anschaulich vermitteln konnten. Abschließend versuchten Sie den Schülern auch noch etwas Hebräisch näher zu bringen und in einer Gesprächsrunde konnten die Schüler Fragen stellen und auch erfahren, wie die Bewerbung für dieses Stipendium ablief. Auch den beiden israelischen Schülern hat es am LSH sehr gut gefallen, vor allem der Kontakt mit den Schülern, die laut den beiden Stipendiaten sehr offen und herzlich waren, war für sie eine sehr schöne Erfahrung. Insgesamt bot dieser Vortrag für alle Beteiligten eine tolle Gelegenheit, eine andere Kultur und ihre Geschichte aus erster Hand kennenzulernen.
Aber natürlich gab es für die Gäste auch außerhalb der Schule ein Programm. Die gastgebenden Schüler besuchten mit ihnen gemeinsam einige Sehenswürdigkeiten in der Region. Zu Beginn der Woche stand der Besuch des Baumwipfelpfades in Ebrach an, der mit großem Erstaunen erklommen wurde und mit einem tollen Ausblick über die Landschaft bis nach Wiesentheid gekrönt war. Besonders bei diesem Ausflug war, dass die Schüler dort zufällig eine andere israelische Familie getroffen haben, mit der sie sofort ins Gespräch kamen. Als kulturellen Abschluss der ersten Woche, nahmen Daniel und May an einer Führung in der Würzburger Residenz teil, gefolgt von einem gemütlichen Ausklang in der Innenstadt von Würzburg.
Am Tag darauf begaben sich die deutschen und israelischen Schüler auf den Weg nach Berlin, wo der zweite Teil des Aufenthalts stattfinden sollte. Untergebracht waren sie etwas außerhalb von Berlin und dort gab es auch die Workshops und Gruppendiskussionen. Aber natürlich wurde allen auch Berlin nähergebracht. Sie besuchten unter anderem den Reichstag und nahmen an einer Führung im Schloss Bellevue teil. Aber auch weniger politische Bereiche wurden gestreift, denn auch eine Einführung in die Straßenkunst der Graffitis war im Programm enthalten.
Nach dieser Woche in Berlin endete das Programm offiziell, indem alle Teilnehmer wieder nach Hause reisten. Aber der Kontakt zwischen den Jugendlichen über die diversen sozialen Medien besteht bis heute und es ist zu hoffen, dass dieser das weitere Leben der Jugendlichen prägen wird und auf diesem Weg auch dauerhafte Freundschaften entstanden sind.

Text: Studienrätin Eva Burkard & Jonas Schellhorn (Q12)