Oui, ça va; et vous?

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…rangiert zusammen mit „Bonjour“ un „Pardon, quoi?“ unter den Top 10 der am meisten verwendeten Phrasen der jungen Deutschen beim Frankreichaustausch 2013/14. Dicht darauf folgt „Non, merci, je n’ai plus faim“ (=Nein, danke, ich habe keinen Hunger mehr); denn die Mahlzeiten, die man mit seiner Gastfamilie teilen durfte, fielen – typisch französisch – sowohl deutlich länger, als auch üppiger aus, als man das von zu Hause gewohnt war, aber trotzdem allgemeinen Anklang fanden. Der zweite Teil des französisch-deutschen Abenteuers begann am 20.März, indem der TGV (ein französischer Schnellzug) die Schüler in kürzester Zeit vom klein-idyllischen Wiesentheid (bzw. Kitzingen) in den überlaufenen Bahnhof Part-Dieu von Lyon brachte. Hier warteten bereits die Gastfamilien und -schüler, die ihre deutschen Freunde herzlich in Empfang nahmen, selbstverständlich inklusive obligatorischer Küsschen und begleiteten sie in ihr neues zuhause für die nächsten 6 Tage. Die nächsten 144 Stunden waren, neben einem durchgeplanten Programm, das so manchem Fußschmerzen bereitete, erfüllt von Baguette zum Frühstück, Quiche zum Mittagessen, lyonnaisischem Salat zum Abendessen und allen erdenklichen Sorten von Käse (oder „fromage“) dazwischen. Aber auch die seltenen Pausen zwischen Programm und Essen sollten irgendwie gefüllt werden: Konversation war vonnöten; die natürlich auf französisch erfolgte. Die Verständigung zwischen den Völkern glückte, auch wenn die deutschen Schüler mittlerweile Mitleid beim Gedanken erfüllt, welch schwerwiegende Fehler sowohl in Grammatik als auch in der Aussprache die französischen Schüler manchmal über sich ergehen lassen mussten. Dennoch, Übung macht bekannterweise den Meister und gelegentlich profitierten beide Seiten vom Erlernen neuen französischen oder deutschen Vokabulars. Dies geschah vor allem im Bereich der Technik, da es sich bei der Partnerschule La Mache in Lyon um ein technisch orientiertes Lycée (=franz. Schule) handelte, was vielleicht den Mangel französischer Mädchen beim Austausch erklärte. Besucht wurden in der Schule die vielen Ateliers, die die Deutschen viel mehr an Fabrikhallen als an Klassenzimmer erinnerten und wo den Deutschen der Unterricht über die Verarbeitung von Holz und Metall im Umgang mit Maschinen näher gebracht wurde. Des weiteren standen Besichtigungen der Innen- und Altstadt und der Besuch des gallisch-römischen Museum Lyons auf dem Programm. Die Überwindung der Strecken zwischen den Sehenswürdigkeiten wie die Kathedrale St. Jean und der Basilique, deren goldener Engel über Lyon thront, sowie der Schulweg erfolgte durch die ständige Nutzung der Métro, aber auch Bus und Straßenbahn wurden bald zu innigen Freunden. Da das Thema des Austausches eigentlich auf Nachhaltigkeit beruhte, kamen die Schüler trotzdem um ein wenig Projektarbeit nicht umhin. Sowohl Müllverarbeitung, als auch die Verschmutzung der Ozeane und Luft wurden in deutsch-französischer Gruppen erarbeitet, so wie später auch die Kulturunterschiede zwischen den Ländern, die den Schülern aufgefallen waren. Ein gemeinsames Essen mit den Eltern in der Schule La Mache rundete den Austausch ab und am nächsten Tag hieß es dann auch schon „Au Revoir“-sagen, was nicht allen so leicht fiel, aber alle Schüler kehrten, ohne von den Lehren eingeplante Verluste, mit einem Lächeln und noch dem Geruch von frischen Croissants in der Nase, ans LSH nach Wiesentheid zurück und sagen zu den Lehrern und Teilnehmern des Austausches die ungeschlagene Nr. 1 des Rankings: „Merci!“

(Simone Weißenberger)