Schule ohne Rassismus • Schule mit Courage

Ein Gymnasium gegen Rassismus

Das Steigerwald-Landschulheim in Wiesentheid ist nun auch offiziell eine „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Das steht nicht nur auf dem Schild, das im Eingangsbereich angebracht wird.

Das Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid bekam nun den Titel „Schule ohne Rassismus“ verliehen. Darüber freuten sich neben Schülern des P-Seminars mit Lehrerin Veronika Finkel (links) der Pate, Bürgermeister Werner Knaier (rechts), sowie daneben die Landeskoordinatorin Zehranus Manag (Foto und Artikel: Andreas Stöckiger).

Bei einer Feierstunde des Gymnasiums zur Verleihung dieser Auszeichnung versprach die Schulfamilie, dass sich die Beteiligten an diese Leitsätze halten wollen. Die Schule ist damit die 2590. Schule in Deutschland und die 526. in Bayern, die diesen Titel tragen darf. Die Initiative ist das größte Schul-Netzwerk in Deutschland, das sich gegen jede Form von Diskriminierung einsetzt.
Als Preis, wie auch als Startschuss, bezeichnete die Landeskoordinatorin Zehranur Manzak die Auszeichnung.

Das Ganze wurde vom Projektseminar Ethik unter der Leitung von Lehrerin Veronika Finkel vorangetrieben, die Schulleiter Hilmar Kirch als Motor und Organisatorin bezeichnete. Kirch wies darauf hin, dass der Elternbeirat des Gymnasiums für dieses Schuljahr das Motto „Wir leben Vielfalt“ ausgegeben hat. Über Kurse und Veranstaltungen, sowie Fahrten ins Ausland werde das Motto zusätzlich fort gesetzt.

Die Vielfalt zeige sich täglich an der Schule, die derzeit von 480 Schülern aus 16 Nationen besucht wird. Darauf wiesen zu Beginn 14 Schüler des Landschulheims hin, die jeweils in ihrer Muttersprache die Gäste begrüßten. Schulleiter Kirch sagte, dass eine Annäherung an unsere Kultur am Wiesentheider Gymnasium „gelebter Alltag“ sei. Er gab als Ziel aus, die Bildungseinrichtung möchte ihre Schüler zu Verantwortungsbewusstsein, Weltoffenheit und Toleranz erziehen, sie zu sozial handelnden Abiturienten bilden. Das habe man sich nun verstärkt auf die Fahnen geschrieben.

Um den Titel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“, zu bekommen, galt es im Vorfeld, einige Anforderungen zu erfüllen. Die Moderatorinnen des Abends, mit Agatha Heinold und Lisa Stark, zwei Schülerinnen der elften Jahrgangsstufe, stellten gemeinsam mit ihren Mitschülern des Projektseminars verschiedene Aktionen vor. Begonnen hatte alles damit, dass die Wiesentheider im Schuljahr 2015/2016 während der Flüchtlingskrise Kontakte zu den damals in Lülsfeld untergebrachten minderjährigen Flüchtlingen aufbauten. Mit ihnen wurde unter anderem ein Besuch im Klettergarten gemacht.

Als das Heim dort aufgelöst wurde, setzten die Gymnasiasten ihr Projekt mit Flüchtlingen der Übergangsklasse der Nikolaus-Fey-Schule in Wiesentheid fort. Deren Schulleiter Heinz Dürner hatte das Ganze vermittelt. Bei gemeinsamen Aktionen lernten sich beide Seiten besser kennen und verstehen. Schließlich luden die Wiesentheider im Sommer 2017 zwölf rumänische Schüler für drei Wochen zu sich ans Gymnasium ein. Beide Seiten kamen sich näher, ein gemeinsamer Vier-Tages-Ausflug nach Straßburg bildete den Höhepunkt. Dass dieser vor allem bei ihren ausländischen Gästen nachwirkt, belegte eine Video-Botschaft eines rumänischen Teilnehmers, sowie ein Brief einer Teilnehmerin, die sich in bewegten Worten für die Zeit in Deutschland bedankten.

Als Paten für das Projekt wählten die Wiesentheider Schüler Bürgermeister Werner Knaier. Er berichtete im Vorfeld etwa von den Erfahrungen, die seine Gemeinde mit der Aufnahme von Asylbewerbern gemacht hat. Knaier hob in seinem Grußwort hervor, er sei „sehr stolz“ sei, als Pate ausgewählt zu sein. Die Verleihung des Titels an das LSH nannte er „die Krönung für das, was diese Schule seit Jahren hier praktiziert“.

In Ansprachen hoben auch der Landtagsabgeordnete Otto Hünnerkopf und der stellvertretende Landrat Paul Streng die Bedeutung, wie den Auftrag des Preises hervor. Hünnerkopf sah das LSH bereits als „gelebte Integration“. Für die Zukunft müsse jeder hellhörig und wachsam sein, dürfe nicht weg hören, beziehungsweise -schauen, wenn andere diskriminiert würden.

Rassismus fange oft im Kleinen an, etwa mit Mobbing, meinte der stellvertretende Landrat Streng. Schon dagegen müsse man sich erheben. Er freue sich für die Schule, dass sie in dem Bereich verstärkt gegen wirken wolle. „Wir wollen ein bunter und lebenswerter Landkreis sein, in dem sich jeder Mensch wohl fühlt und in dem keiner diskriminiert wird.“

Dass das junge Pflänzchen an der Schule weiter gehegt wird, versprachen Schüler der elften Klasse. Sie haben den Ball aufgenommen, werden sich in ihrem Projektseminar weiter mit dem Thema beschäftigen und wollen das an ihre jüngeren Mitschüler weiter geben.

Text von Andreas Stöckinger – hier geht’s zum Originalartikel “infranken.de”

Hier einige Stationen / Impressionen des Abends:

(Fotos: Axel Weiss)