Tschechische Republik

Gymnázium F. X. Saldy in Liberec

Auf dem Programm des Besuches in Liberec steht traditionell auch ein Ausflug in die „goldene Stadt“ Prag - hier ein Blick auf den Hradschin (die Prager Burg, heute Amtssitz des Staatspräsidenten) mit dem St.-Veits-Dom

Auf dem Programm des Besuches in Liberec steht traditionell auch ein Ausflug in die „goldene Stadt“ Prag – hier ein Blick auf den Hradschin (die Prager Burg, heute Amtssitz des Staatspräsidenten) mit dem St.-Veits-Dom

Gymnázium F. X. Saldy in Liberec

Das Gymnázium F. X. Saldy in der ca. 110.000-Einwohner zählenden nordböhmischen Metropole Liberec (dem früheren Reichenberg, etwa 100 km nördlich von Prag gelegen) wird von etwa 900 Schülern besucht und führt – als eine von ganz wenigen Schulen in der Tschechischen Republik! – eine sogennante ”Deutschsprachige Abteilung”. Dort werden etwa 180 Schüler in 6 (bald nur noch 5!) Klassen unterrichtet. Im ersten Jahr (Klasse 8) findet ein verstärkter Deutschunterricht statt, ab dem zweiten Schuljahr werden die Fächer Mathematik, Physik, Erdkunde, Biologie und Geschichte von deutschen Lehrkräften in deutscher Sprache erteilt. Dem Unterricht liegen im wesentlichen die bayerischen Lehrpläne zugrunde.
Nach der 6. Klasse (in Zukunft: nach der 5. Klasse) legen die Schüler die deutsche Abiturprüfung ab, ein Jahr später (vor einiger Zeit hat nämlich die Tschechische Republik die Schulzeit bis zum Abitur auf bayerische Verhältnisse, nämlich 13 Jahre, angeglichen – und tut sich nun mit der ”Kehrtwende” etwas schwer!) auch die tschechische Abiturprüfung. Somit erwerben die Absolventen der Deutschsprachigen Abteilung eine Doppelqualifikation, d. h. sie sind sowohl zum Studium an tschechischen Hochschulen als auch – ohne besondere Eingangsprüfungen! – auch zum Studium an deutschen Hochschulen berechtigt. Leider scheitert letzteres meist an der Tatsache, dass ein Studienaufenthalt in Deutschland für viele tschechische Studenten eigentlich fast unerschwinglich ist – außer dem Besuch von grenznahen Hochschulen,. z. B. Zittau, der ”Hauptstadt” der Oberlausitz, nur etwa eine halbe Zugstunde von Liberec entfernt!

Schüleraustausch

Seit 1992 findet alljährlich ein Schüleraustausch zwischen dem Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid und dem Gymnázium F. X. Saldy in Liberec statt. statt: meistens Anfang Oktober fährt eine Gruppe von Schülern unserer 9. Klassen für eine Woche nach Liberec, im Frühjahr des darauffolgenden Jahres kommt es dann zum Gegenbesuch der gastgebenden Klasse 2.N in Wiesentheid. Die Unterbringung erfolgt regelmäßig in Gastfamilien bei gleichaltrigen Schülern. Zum besseren Kennenlernen der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen unseren beiden Völkern liegt auch immer ein Wochenende im Besuchszeitraum – so haben die Gäste und die Gastfamilien mehr Zeit füreinander!
Die durchschnittliche Gruppengröße beim Schüleraustausch ist im Laufe der letzten Jahre kontinuierlich angestiegen und hat sich mittlerweile bei etwa 25 stabilisiert. Mit dem Schüleraustausch wird den tschechischen Schülern die Möglichkeit geboten, einmal wenigstens für kurze Zeit und zu relativ geringen Kosten in die deutsche Sprache und Kultur ”einzutauchen” – und für unsere eigenen Schüler ist es eine wertvolle Gelegenheit zum Erwerb von interkulturellen Kompetenzen!
Um bestimmte staatliche Zuschüsse für den Schüleraustausch zu erhalten, wird seit einigen Jahren verlangt, dass man nicht nur rein ”touristische” Begegnungen durchführt, sondern sich projektorientiert mit einem bestimmten Thema in binationalen Gruppen beschäftigt.

Unsere Schüler mit ihren tschechischen Gastgebern bei einer Exkursion in das sogenannte „Böhmische Paradies“, unweit von Liberec, im Herbst 2006

Unsere Schüler mit ihren tschechischen Gastgebern bei einer Exkursion in das sogenannte
„Böhmische Paradies“, unweit von Liberec, im Herbst 2006

Gastschuljahr

Neben dem Schüleraustausch bieten wir seit 1993 (als zweites Gymnasium in Bayern und als bisher einziges in ganz Unterfranken!) alljährlich einer Schülerin/einem Schüler bzw. sogar mehreren Schülern unserer tschechischen Partnerschule einen einjährigen Gastschulaufenthalt mit Unterbringung im schuleigenen Internat (gelegentlich aber auch in einer Gastfamilie!) an. Die Kosten für das Gastschuljahr trägt unser Schul- und Förderverein. Er kann sich dabei jedoch regelmäßig auf diverse Zuschüsse (des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, der Bayerischen Staatskanzlei, des Marktes Wiesentheid, der Dr. Georg-Schäfer-Jugendstiftung Schweinfurt sowie z. B. der örtlichen Kreditinstitute) verlassen. Zu den Veranstaltungen der EUREGIO EGRENSIS (mit Sitz im oberfränkischen Marktredwitz) – in deren Einzugsbereich alljährlich etwa 30 tschechische Schüler am Gastschulprojekt teilnehmen (in ganz Bayern sind es alljährlich sogar etwa 60!) – werden wir seit einigen Jahren regelmäßig eingeladen (z. B. Informationsveranstaltungen in Oberfranken und der Oberpfalz sowie zweitägige Exkursionen nach München und Berlin).

Valentina und Igor Zur Zeit sind Valentina Marecková und Igor Jegorov (Q11) als Stipendiaten des Schul- und Fördervereins – im Rahmen des Gastschulprojekts der EUREGIO EGRENSIS – für ein Jahr Gastschüler an unserem Gymnasium.

 

Schulbesuch – Erfahrungsbericht

Am Freitag, den 24. Oktober 2014, hatten wir bis 11.15 Uhr ganz normal Unterricht und wurden von unserem Betreuungslehrer – gemeinsam mit unseren drei tschechischen Jahresgastschülerinnen Monika, Zdena und Kateřina – nach Iphofen zum Bahnhof gefahren. Die Mädchen fuhren in den Herbstferien nach Hause – und wir wollten die Herbstferien und anschließend noch eine Woche in Liberec bei unseren tschechischen Freunden Albert Vaníček und Jan Hrdý verbringen und gemeinsam mit ihnen die Schule besuchen. Albert und Jan kannten wir vom Schüleraustausch im letzten Schuljahr und haben eigentlich seitdem ständig Kontakt – und es war überhaupt kein Problem, während unseres Besuches in Liberec bei ihnen zu wohnen.

IntLSH14-7
Unsere Reise führte uns von Iphofen aus mit dem Zug über Nürnberg nach Dresden und weiter über Zittau nach Liberec, wo wir gegen 21 Uhr ankamen. Dort wurden wir von unseren jeweiligen Gastgebern abgeholt und nach Hause zu den Familien gefahren, in denen wir den Rest des Abends verbrachten.
Eigentlich hatten wir auch in Liberec ein bisschen Ferien – denn am 28. Oktober ist dort
Staatsfeiertag und in der Schule gab es auch noch den Montag und den Mittwoch frei.
Wir blieben jeweils in unseren Gastfamilien und unternahmen viele Ausflüge und Wandertouren in die nähere Umgebung.
Am Donnerstag, den 30. Oktober, hatten wir dann den ersten Unterrichtstag in Liberec, unter anderem den Fächern Deutsch, Mathematik, Chemie und Musik. Der Unterricht begann um 7.30 Uhr. Von den einzelnen Schulstunden bekamen wir eigentlich ziemlich viel mit, da in der Deutschen Abteilung am Šalda-Gymnasium der Unterricht in einigen Fächern (z. B. Mathematik, Physik, Geschichte, Erdkunde und natürlich Deutsch) von deutschen Lehrern in deutscher Sprache gegeben wird!
Am Freitag, den 31. Oktober, machten wir mit „unserer Klasse” 3.N eine Betriebsbesichtigung des Zweigwerks der Firma FEHRER in Liberec. Dort bekamen wir erst einmal einen kurzen Überblick über den Aufbau des Betriebes anhand einer Präsentation und vor dem Rundgang durch die Werkshallen noch eine Sicherheitseinweisung. Danach wurde uns die Produktion gezeigt und wir konnten bei der Herstellung diverser Ausrüstungsgegenstände für verschiedene Fahrzeugtypen zuschauen. Nach der Führung gingen wir mit der ganzen Klasse ins Hallenbad, da die tschechischen Schüler in der Klasse 3.N als Sportunterricht einen Schwimmkurs haben. Am Nachmittag begann dann das Wochenende, welches wir wieder individuell in unseren Gastfamilien verbrachten.
Die zweite Woche unseres Besuches in Liberec brach am Montag, den 3. November, wieder um 7.30 Uhr an, unter anderem mit Unterricht in Deutsch, Mathematik und Erdkunde. Ähnlich sah das Programm auch in den nächsten Tagen aus – wir hatten z. B. Englisch und Geschichte, dies sowohl auf Deutsch als auch auf Tschechisch (wo wir aber, obwohl wir doch schon ein paar Brocken gelernt hatten!) fast nichts verstanden.
Unser Aufenthalt in Liberec endete am Freitag, den 7. November, abermals mit Schwimmunterricht im Hallenbad. Am Nachmittag traten wir dann die Heimreise an – doch nicht, wie eigentlich geplant, mit dem Zug. Leider machte uns der Streik der Lokomotivführer einen Strich durch die Rechnung, alle Züge von Zittau nach Dresden und von Dresden nach Nürnberg fielen aus. Doch dank der Beziehung zur Niederlassung der Firma FEHRER in Liberec fand sich dann eine gute Lösung: zufälligerweise war in der Woche ein Mitarbeiter aus dem Kitzinger Hauptwerk in Liberec, der am Freitagnachmittag von dort aus zurückfuhr – und uns mit unserem Gepäck mit nach Hause nahm!
In der Schule haben wir in der Woche nach den Herbstferien zwar einiges versäumt und mussten alles nachholen – aber wir haben es nicht bereut, nach Liberec gefahren zu sein und dort fast zwei Wochen die tschechische Partnerschule zu besuchen, Wir kannten ja eigentlich die ganze Klasse vom Schüleraustausch im letzten Schuljahr und wurden nicht nur in den Gastfamilien, sondern auch in der Schule gut aufgenommen – es war schön, eine große Menge von guten Freunden wiederzusehen!
Bedanken möchten wir uns auch bei der EUREGIO EGRENSIS, die unseren Aufenthalt in Liberec durch Übernahme der Reisekosten und einen Aufenthaltszuschuss für die Gastfamilien sponsorte!

Jonas Schellhorn, Constantin Appold

Kontakte

Besuche von Kollegen in Liberec (z. B. während der Oster- bzw. Pfingstferien) tragen dazu bei, dass auch auf der Ebene der Schulleitungen und der Lehrerkollegien gute und dauerhafte Kontakte entstehen bzw. erhalten bleiben und alle Aktivitäten rechtzeitig genug miteinander abgestimmt werden.