Wer war Anna Maria Trapp?

Schüler des Gymnasiums Steigerwald-Landschulheims fahnden nach den Hintergründen von Bildstock-Stiftungen in und um Wiesentheid.

Zwischen Rüdern und Untersambach steht, mitten im Schönbornschen Wald und fast vergessen, ein Bildstock mit pyramidenförmigen Aufsatz, der an einen tragischen Unfall vor etwa 150 Jahren erinnert. Ein Mädchen aus Rüdern, Anna Maria Trapp, soll ihrem Vater Jacob Trapp, einem Bauern aus Rüdern, der im Wald Holz machte, seine Brotzeit gebracht haben und dort, wo heute der Bildstock steht, von einem fallenden Baum erschlagen worden sein. Heute sind die Inschriften kaum noch lesbar, der Sockel ist stark angegriffen und Brombeeren versuchen, das Martele zu überwuchern.

Vielen Bildstöcken geht es ähnlich; vor allem denen, die außerhalb der Ortschaften stehen. Sie sind „aus den Augen, aus dem Sinn“, und die Familien der Stifter sind oft weggezogen oder können sich eine professionelle Restaurierung nicht leisten. Wenn die Oberfläche aber einmal so rissig geworden ist, dass Wasser eindringen kann, verfallen diese Kleindenkmale rapide und oft unbemerkt. Wenn nicht zeitig dokumentiert worden ist, was auf einem solchen Bildstock zu sehen war, ist er oft für immer verloren.

Deshalb hat eine Gruppe von Schülern ein Seminar gebildet, das sich mit den Bildstöcken in der Gegend Wiesentheids befasst. Sie bestimmen die genauen Standorte per GPS, vermessen und fotografieren sie, und versuchen, alles über ihre Stifter und den Grund ihrer Stiftung herauszufinden, was darüber noch herauszufinden ist. Doch manchmal ist das nicht allzu viel. In den Archiven und historischen Dokumenten fristen Bildstöcke nur ein Nischendasein und die Inschriften auf den Marterln sind das erste, was verwittert und sind oft kaum mehr zu entziffern. Die wichtigste Quelle ist daher das Heft „Die Bildstöcke Wiesentheids und Umgebung“, das die Ortsgruppe der Jungen Union in den 80er Jahren veröffentlicht hat. Jedoch ist leider der Trapp-Bildstock im Wald bei Rüdern darin nicht behandelt.

Um den Trapp-Bildstock vor dem völligen Vergessen zu bewahren, haben sich die Schüler des Bildstock-Seminars mit dem Leiter der Forstwirtschaft des Grafen von Schönborn, Christian Belz, kurzgeschlossen. Er, zwei seiner Mannschaft und drei Schüler des Seminars befreiten zunächst den Bildstock und seine nächste Umgebung von Brombeerranken und Unterholz, danach konnte der Ist-Zustand gesichert werden. Dabei wurde schon klar, dass es wieder viel Entzifferungsarbeit geben würde. Noch relativ deutlich zu lesen war, dass die „Jungfrau Anna Maria Trapp, ihrer Ältern sic Trost und größte Freude“ beim Holz fällen erschlagen wurde. An anderer Stelle liest man, dass ihre Geschwister im Jahre 1892 den Bildstock restaurieren ließen. Dabei scheinen sie den oben angesprochenen Text nochmals haben einmeißeln lassen, da er an einer anderen Seite des Bildstocks schon fast zur Unleserlichkeit verwittert war. Auf dem Sockel lässt sich gerade noch der Bezug zu „Jacob Trapp, Bauer zu Rüdern, Vater der Verunglückten“ ausmachen.

Die Pieta-Darstellung auf dem Pyramidenaufsatz, die Mutter Gottes mit dem toten Jesus auf ihrem Schoß, ist noch sehr gut erhalten. Darunter auf dem Sockel ist der obere Teil der Unglücksszene zu erkennen: Ein Mann mit einer Axt in der Hand – vielleicht der Vater selbst – hat gerade einen Baum gefällt. Auf der anderen Seite der Darstellung streckt ein Mädchen erschrocken die Hände zum Himmel. Über der Szene fliegt ein großer Vogel, vermutlich eine symbolische Darstellung des Heiligen Geistes, der die Seele der jungen Anna Maria in den Himmel mitnehmen wird. In der Szene, die irgendwann einmal sogar koloriert worden ist, spiegelt sich die ganze Härte des damaligen Lebens eines Steigerwaldbauern und seiner Familie im vorletzten Jahrhundert.

Vor allem aber nicht nur für den Trapp-Bildstock ist das Bildstock-Seminar wegen der dünnen Quellenlage auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Wer also Informationen über einen Bildstock in Wiesentheid oder der Umgebung Wiesentheids hat, vielleicht sogar alte Fotos von den Bildstöcken, möge bitte den betreuenden Lehrer des Seminars, Harald Pohl vom Steigerwald-Landschulheim, kontaktieren:
Steigerwald-Landschulheim, Hans-Zander-Weg 1, 97353 Wiesentheid. Tel. 09383/97210. Pohl@lsh-wiesentheid.de

Text und Fotos: Harald Pohl