Wie Social Media den Jounalismus verändert

Die Schüler*innen der 7. und 8. Klassen des Steigerwald-Landschulheims Wiesentheid bekamen am 9. Juli einen interaktiven Vortrag von Julian Wenzel dargeboten, einem ehemaligen Schüler des Gymnasiums, der inzwischen in München beim BR als Redakteur für das Jugendprogramm PULS arbeitet. Zu Beginn wollte der Referent über eine Abstimmung via Smartphone wissen, welches Medium die Schüler am meisten nutzen. Dabei wurde sofort klar, dass das Smartphone inzwischen dem Fernseher als Leitmedium den Rang abgelaufen hat. Interessant und verblüffend zugleich war im weiteren Verlauf die Erkenntnis, dass Facebook, das vor ein paar Jahren noch der absolute Renner bei den Jugendlichen war, heute fast keine Rolle mehr spielt. Somit ist Facebook (wie vorher StudiVZ) ein weiteres Beispiel für das sich rasant verändernde Nutzungsverhalten junger Menschen, die zur Zeit WhatsApp, Snapchat und Instagram bevölkern.
Anschließend wurden drei Begriffe in den Raum gestellt und abgefragt, ob sie den Schülern geläufig sind. Während Impressum und duales Rundfunksystem jedem zweiten Schüler ein Begriff war, so war das Telemediengesetz nur wenigen Schülern bekannt.
Diese Begriffe zogen sich im Folgenden wie ein roter Faden durch den weiteren Vortrag von Julian Wenzel. Gemeinsam wurde zunächst die Einteilung in öffentlich-rechtliche und private Sender vorgenommen und der große Unterschied darin gefunden, dass sich die Privaten über Werbeeinnahmen und bezahlte Kooperationen finanzieren müssen und ihr Ziel logischerweise das Akquirieren von Werbekunden und das Erwirtschaften von Gewinn ist, während die Öffentlich-Rechtlichen auf Grund der Rundfunkgebühren nicht auf Werbung angewiesen sind und ihre Aufgaben sich in den vier Punkten Informieren, Bilden, Beraten und Unterhalten spiegeln.
Vom dualen Rundfunksystem kam der Referent über die Fragen: „Kann ich einfach einen Radiosender (Nein!) bzw. einen YouTube-Kanal (Ja!) gründen“ auf das Telemediengesetz zu sprechen und leitete dazu über, dass jeder im Internet Inhalte veröffentlichen darf. Dies hat zur Folge, dass die Medienmacht von Radio-und Fernsehsendern schwindet, und gipfelt in der zugespitzten These: Es braucht keine Journalisten mehr, da jeder selbst im Internet recherchieren kann. Warum man aber doch Journalisten braucht, wurde den Schüler*innen deutlich, als sie den Wahrheitsgehalt von verschiedenen Bildüberschriften einschätzen mussten. Kannten sie die Person, gelang ihnen dies sehr gut, während dies bei einer unbekannten Person aber nicht mehr möglich war. Auf Grund der Erkenntnis, eben keine Kenntnis zu haben, war den Schülern nun klar, dass komplexe Themen und die gewaltige Informationsflut die Menschen überfordern und somit Journalisten von Nöten sind, welche die Informationen vorsortieren und komplizierte Zusammenhänge erklären.
Zum Abschluss zeigte Julian Wenzel den Schülern, wie sie als Journalisten arbeiten können, und diese mussten abschließend selbst aktiv werden: Mit ihren Smartphones sollten sie herauszufinden, wer hinter diversen Instagram-Accounts steckt. Die Antwort darauf fanden sie im jeweiligen Impressum.
Ein herzliches Dankeschön an den Referenten, durch dessen lebendigen und interaktiven Vortrag die Schüler*innen des Gymnasiums einen wichtigen Einblick in die journalistische Arbeit gewinnen konnten.

Bericht: Ulrich Schwarz
Foto Axel Weiß: Referent Julian Wenzel vor Schülern des Gymnasiums