„Würzburg liest ein Buch“ – Wettbewerbsbeteiligung „Nicht von jetzt, nicht von hier“ von Jehuda Amichai

Arbeitsbericht zur Wettbewerbsbeteiligung „Nicht von jetzt, nicht von hier“ von Jehuda Amichai.

„Nicht von jetzt, nicht von hier“, so lautet der Titel des autobiografischen Romans von Jehuda Amichai, dem deutsch-jüdischen Autor, der in Würzburg geboren, dort seine Kindheit verbrachte und 1936 mit seiner Familie noch rechtzeitig vor dem Holocaust nach Palästina auswandern konnte. 1960 kehrte er an seinen Geburtsort zurück und schrieb einen Roman, der von seinen Erlebnissen geprägt ist.

Das Buch bildet die Grundlage zu der Aktion: „Würzburg liest ein Buch“, die von der Stadt Würzburg unter der Schirmherrschaft von OB Christian Schuchardt und Dr. Josef Schuster, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Würzburg und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland initiiert wurde. In diesem Rahmen wurde auch ein Kunstwettbewerb für alle Würzburger Gymnasien angeregt. Da unsere Schule seit einigen Jahren einen Austausch mit der Boyer High School Jerusalem pflegt, lag eine Mitwirkung nahe.

Mit den diesjährigen Austauschschülern aus Wiesentheid und Jerusalem, begannen wir Ende Oktober mit den ersten Besprechungen zum Projekt. Im November bekamen wir durch Herrn Dr. Steidle, einem ehemaligen Lehrer und Amichai Kenner, über eine sehr anschauliche und informative PowerPoint Präsentation einen ersten Einstieg in die Thematik des Buches. Kurz vor Weihnachten führte uns Dr. Steidle bei eisiger Kälte an alle Originalschauplätze in Würzburg, soweit diese heute noch vorhanden sind. Langsam entwickelten wir Ideen für die künstlerische Umsetzung des autobiografischen Romans.

Zunächst wurde ein Vorschlag zu einer malerischen Gestaltung wichtiger Szenen und Motive des Romans erarbeitet. Wir legten uns auf ein Darstellungskonzept mittels Bildern fest: 40 Einzelszenen auf Leinwände von je 20 x 20 cm, zusammengefügt zu einem Tableau der Größe 160 x 80 cm.
Zusätzlich entstand die Idee, den Informationsgehalt der Bilder zusätzlich über verknüpfte Textstellen, vorgelesen von Schülern*innen, mittels Audioguide zu verknüpfen. Für die Umsetzung konnten wir zwei weitere Schüler aus der Technikgruppe gewinnen.
Eine Hälfte der Leinwände (Schwerpunkt Kindheit und Jugend in Würzburg) sollten in unserer Schule in Wiesentheid entstehen. Die andere Hälfte der Bilder (Schwerpunkt mit der Handlung in Jerusalem) sollte während des Austauschaufenthaltes in Israel im Februar 2018, zusammen mit den Gastgebern, den Schülern der Boyer High School entstehen.

In Analogie zu den Vorgaben im Roman wählte die Projektgruppe als Grundton für „Weinburg“ (Würzburg) eine Ausführung in Grüntönen (Sommer in Deutschland, Weinberge, Wiesen Wald, Flusslandschaft). In Anlehnung an die Beschreibung von Jerusalem durch Jehuda Amichai schlugen die Schüler ihren Partnern für den Jerusalem-Teil vorrangig Erdtöne (die Farben der Wüste, Sand, Steine) vor.

Im Januar fingen wir an, uns mit dem Text auseinanderzusetzen. Eine Auswahl passender Bildentsprechungen zu den poetischen, teilweise surrealen Textstellen musste gefunden werden. Zusätzlich ging es um Bildtitelfindung, Festlegung der Reihenfolge bzw. Nummerierung der Bildtafeln, Suche nach den passenden Textzitaten für den Audioguide.

Wegen der Absicht des amerikanischen Präsidenten, künftig die amerikanische Botschaft von
Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, und den damit erwarteten politischen Unruhen, erschien uns die Sicherheitslage sehr kritisch und nach langem Zögern und Abwarten wurde die Reise und der Schüleraustausch auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ab Februar 2018 begannen die praktischen Arbeiten an vier Projekttagen. Wir starteten mit den „Weinburg“ (Würzburg)-Bildern und im März malten aufgrund der abgesagten Reise unsere Schüler auch die 20 Jerusalem-Bilder. Die insgesamt 40 Leinwände wurden von der Technikgruppe nach Abschluss fotografiert und die zugehörigen Textstellen für den Audioguide eingelesen und anschließend in das Audioguideformat gebracht.
Zum Schluss wurde noch ein Plakat entworfen, gemalt und am Computer überarbeitet.

Ich möchte mich sehr herzlich bei meinen Kollegen, Herrn Baumgarten, Herrn Freking und Herrn Steinbacher für die kreative, kollegiale Zusammenarbeit bedanken!

Vor allem jedoch gilt meine uneingeschränkte Anerkennung und Dank für die erbrachte Leistung, Geduld und Ausdauer den Schülern aus der Q11.

Claudia von Hayek

Hier gelangen Sie auf den Audio-Guide:
• LSH Wiesentheid.de – Amichai •

Bildergalerie: